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Angedacht - Mit dem zweiten Blick...

24. Mai 2019 11:25 von Manuel Bendig | Kategorie: NRW

Foto: ger-hardt, pixelio.de

Was Jesus mit einem Straßenart-Künstler verbindet

Banksy, ein britischer Streetart-Künstler machte unlängst auf Venedigs Straßen mit seinem Kunstwerk „Venice in oil“ auf sich aufmerksam. Zu sehen war dort ein Arrangement von neun Ölgemälden, die zusammengestellt ein Gesamtbild der Stadt an der Adria-Lagunen ergaben.

Es ist nicht eines dieser Bilder, die man mal mehr, mal weniger kitschig von Venedig kennt. Und doch sind dort die weltweit bekannten Wahrzeichen wie Dogenpalast, Rialtobrücke und Gondeln zu erkennen.

Aber, und das ist Sinn und Zweck der Installation, die schönen, alten und weltberühmten Bauwerke, die jährlich Millionen von Touristen anlocken, sind nur im Hintergrund, sozusagen als Beiwerk zu erkennen.

Das Gesamtwerk wird von einem überdimensionalen Kreuzfahrtschiff dominiert - Banksys Kritik am Massentourismus, unter dem nicht nur Venedig leidet.

Auf den ersten Blick sieht der Stand wie der eines x beliebigen Künstlers aus, dessen Werk eine Mischung aus naiver Malerei und einer witzig zusammengestellter Idee ist. Oder müsste man besser sagen: „zu seien scheint“?

Die Kritik des Künstlers lässt sich erst auf den zweiten und vieler weiterer Blicke erkennen. Man muss hinter die künstlerischer Gestaltung schauen, um das Wesentliche, die geplante Kritik zu erkennen.

Was Banksy hier ganz bewusst kreiert, finden wir in unserem Alltag besonders auf der Beziehungsebene immer wieder. Es sind die Feinheiten, die sich unserem ersten, meist flüchtigen Blick entziehen.

Flüchtig betrachtet scheint das Gegenüber oberflächlich, chaotisch und schlampig zu sein. Das meldet der erste Blick auf sein Äußeres an unser Gehirn. Kein Wunder, neben seiner Kleidung spricht seine Körpersprache für uns Bände. Für diese Erkenntnis reichen uns nur wenige Sekunden.

Erst, nachdem wir einen ‚zweiten Blick’ gewagt haben, entdecken wir die Vielfalt dessen, was hinter dem steck, was uns auf den ersten Blick verborgen blieb.

Wenn ich auf die Berichte von Jesus

schaue, habe ich den Eindruck, dass er in den Begegnungen mit den Menschen immer erst den ‚zweiten Blick’ auf sich wirken ließ.

Das tat er mit gutem Grund. Ihm waren die Menschen viel zu wichtig, als dass sie nach dem ersten Blick ‚abzuhaken’. So zeigte er uns eindrucksvoll das göttliche Prinzip der Nächstenliebe.

Eine gesegnete Zeit mit dem zweiten Blick!

Manuel Bendig

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