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Angedacht - Kahlschlag

19. Oktober 2018 11:30 von Manuel Bendig | Kategorie: NRW

Foto: Manuel Bendig

Gedanken über einen alten Baum

Bäume sind etwas ganz Besonderes. Ihr Einfluss in unserem Lebenskreislauf ist nicht zu unterschätzen. Ihre Vielfalt begeistert immer wieder. Dennoch stand da diese Robinie auf dem Nachbargrundstück, dieser gut und gerne 50 Jahre alte Baum. Für die gesamte Nachbarschaft wurde er zunehmend ein Ärgernis.

Mit seinen morschen Ästen, dem kleinblättrigen Laub und dem sich daraus ergebenden Schmutz, sorgte er seit Jahren für ausführlichen Gesprächsstoff.

Er verursachte eigentlich nur noch Arbeit und wirkte wegen seiner abgestorbenen Äste nicht mehr wie ein majestätischer Baum.

Die direkten Anwohner beschlichen  zudem zunehmend Sorgen darüber, dass der morsche Teil des unliebsamen Baumes dem nächsten Sturm nicht mehr Stand halten könnte.

An einem Montag riss mich der von schwerem Gerät verursachte Lärm aus meinen Gedanken. Ein Traktor, ein Hubwagen und ein LKW fuhren vor. Nach einem ausführlichen Palaver über das Was, Wie und Wohin, legten die Baumpfleger fachmännische Hand an.

Die Kettensägen sangen ihr unbarmherziges Lied, während ein Ast nach dem anderen stückweise zu Boden fiel. Die Nachbarschaft atmete spürbar auf. Der Stamm des Anstoßes musste letztendlich doch seinem Ende entgegensehen.

Am späten Vormittag standen nur noch die beiden Hauptstämme des alten Störenfriedes. Der freudige Ausdruck in den Gesichter der Anwohner verbreitete eine befreiende Stimmung. Am frühen Abend war es dann vollbracht! Auch die Hauptstämme waren bis auf einen Stumpf restlos verschwunden.

Nicht ganz! Eine Baumscheibe von ca. 5 cm dicke und einem Durchmesser von gut 75cm steht als Andenken in unserem Garte

Interessanter Weise erinnert sie mich nicht mehr an den Ärger, Schmutz oder die mit dem Baum verbundenen Sorgen. Vielmehr weckt sie in mir eine ehrfürchtige Stimmung über das majestätische Wunderwerk Baum, das der Herr in seine Schöpfer als feste Säule eingebunden hat.

Was bleibt übrig? Da ist zunächst eine riesengroße Lücke, der der Baum bisher trotz des kranken und morschen Astwerkes etwas von Gemütlichkeit verliehen hat. Da fehlt jetzt irgendwie etwas!

Wenn ich an die Kraft denke, die in dem Baum steckte, dann bleibt bei mir der Gedanke an das Bild des Jeremia zurück: Der ist wie ein Baum.... (Jer. 17,8)

Eine gesegnet Zeit!

Manuel Bendig

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